Sonntag, 22. November 2020

Was man noch tun kann in diesem langen Winter - What else you can do during this long winter

 Was macht ihr so mit einem kaputten Krug? Ist euch auch schon mal der Kochtopf runter gefallen und in tausend Scherben zersprungen? Wie immer, die Lösung ist Geschichte. Oder besser gesagt kommt aus der Geschichte. 

Aus: „Daz kint spilete und was fro“ Spielen vom Mittelalter bis heute*

Die hier in Lübeck gefundenen Spielsteine könnten einfacher nicht sein. Man nimmt Scherben (hat so ziemlich jeder Darsteller schon mal gehabt), bricht sie ungefähr in Form und schleift die scharfen Kanten auf einem Stein ein wenig ab. Fertig sind die Spielsteine. Wenn ihr also nach nun ungefähr einem Jahr Winter nicht mehr wisst, was ihr mit eurer Zeit anfangen sollt, viel Spaß beim Spielsteine basteln. 

Und auch die Keramiker eures Vertrauens freuen sich über neue Aufträge, wenn ihr nun zu viel Porzellan, ah nein, Keramik zerschlagen habt. 

Viel Spaß beim nachbasteln.

What to do with a defect jug? Did your cooking pot fall down and has broken in thousand pieces? As usual, solution is history. Or at least comes from historical sources. 

Those game pieces have been found in Lübeck/Germany and couldn‘t be easier. Just take pottery shards (every re-enactor has got some of them, for sure), brake them into similar shapes and sand them with a stone, just a bit to brake the sharp edges. And here you go: finished game pieces. So, if you don‘t know what to do with your time after around one year of winter now, have fun making ne game pieces. 

And I am quite sure, the potter of your trust is happy about new orders, if you broke to much ceramics. 

Have fun recreating those.



*“Daz kint spilete und was fro“ Spielen vom Mittelalter bis heute - von Manfred Gläser; herausgegeben für die Hansestadt Lübeck,  1995 Schmidt-Römhild

Sonntag, 25. Oktober 2020

Spieglein, Spieglein in der Hand

 In einem der Standardwerke für historische Darsteller, den „Dress Accessories 1150-1450“ von Geoff Egan und Frances Pritchard, erschienen beim Museum of London, tauchen kleine Klappspiegelchen aus Bronze und Zinn auf. Die „cased mirrors“. 

Das Bild zeigt 3 kleine Spiegel, links aus dem Buch Dress Accessories, ein Original im Museum of London, rechts ein auf die Seite des Buchs gelegtes Original aus einer Privatsammlung, in der Mitte eine Replik in Bronze
                        Links: ein Original aus den Dress Accessories; Mitte: eine Replik; Rechts: ein Original aus Privatsammlung                                             

Diese Spiegel sind, obwohl scheinbar alleine in England in großen Mengen im Fundgut erhalten, kaum publiziert und finden sich nur bei sehr wenigen historischen Darstellern. 

Aber was wissen wir überhaupt über diese Spiegelchen?

„Dress Accessories“ schreibt auf Seite 365: 

„One thousand mirrors were among the goods brought by ship, probably from the Low Countries, to London in 1384 (Byley et al. 1984, 401-02).“

Also wurden 1000 solcher Spiegelchen gegen Ende des 14. Jahrhunderts aus den „Low Countries“, den heutigen Niederlanden und/oder Belgien, nach London transportiert. Diese Menge erklärt auch die heutige Fundlage in England, denn sowohl in englischen Museen, als auch bei Privatsammlern, dem Portable Antiquities Scheme (finds.org.uk) oder der Rosalie Gilbert Collection (http://www.thegilbertcollection.com/) findet sich eine große Zahl der kleinen Spiegelchen aus Bronze, welche laut Dress Accessories tendenziell in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datieren, wohingegen die früheren aus Zinn gewesen sind.

Somit wurden diese Spiegel importiert, nicht in England hergestellt, wie zunächst zu vermuten gewesen wäre, aufgrund der hohen Fundmenge. 

Als Spiegelfläche wurde ein gewölbtes Glas verwendet, zumindest laut den „Dress Accessories“ und einem Original aus einer Auktion von „Hanson Auctioneers and Valuers“ vom 22.03.2017. Womit das Glas belegt war, ob bedampft oder begossen, ist aus der Literatur nicht zu entnehmen. Eventuell war es eine Legierung aus Blei und Zink, die angeblich im 13. Jahrhundert in Murano Verwendung fand (laut www.spiegel-info.de; eine Quellenangabe hierzu fehlt). 

Die Herstellung der Bronzedose, oder im wohl früheren Kontext der aus Zinn, hingegen ist sehr klar. Die Dose an sich wird gegossen, die Verzierung bei den Bronzedosen danach eingeprägt. Dies geschieht mit einem kleinen Metallstempel und einem Hammer. 

Das Bild zeigt Arme in Kleidung des 14. Jahrhunderts, die einen Metallstempel und einen Hammer halten. Unter dem Metallstempel liegt ein Spiegel auf einem kleinen runden Amboss. Der Spiegel ist zur Hälfte mit kleinen Dreiecken in geschwungenen und geraden Linien verziert.

                                    Die Verzierungen werden mittels Metallstempel eingeschlagen.

Die Befestigung der Spiegel in den Gehäusen wird glücklicherweise auch in den „Dress Accessories“ beschrieben. Die Masse, die sich oft noch als Reste erhalten hat, obwohl die Spiegelgläser verloren sind, wird als „...cement that occasionally survives as calcium carbonate.“ (Dress Accessories, Seite 358) beschrieben. 

Kalziumkarbonat, oder auch Schlämmkreide, ist überwiegender Bestandteil in Fensterkitt, der schon seit Jahrhunderten zur Herstellung bspw. von Bleiverglasungen verwendet wird. Einzige weitere Zutat ist Leinöl oder Leinölfirnis. Diese klebrige Masse ist farblich leicht beige und ähnelt optisch stark den Resten in erhaltenen Spiegeln. Ein erster Versuch Leinölfensterkitt zu verwenden hat überzeugende Ergebnisse gebracht. Die Spiegelchen, wenn auch keine gebogenen, halten gut, auch ohne modernen Kleber. 

Ein aufgeklappter kleiner Taschenspiegel mit 2 Spiegelflächen, die mit Leinölfensterkitt, einer historischen Klebe- und Dichtmasse, in die Spiegeldose eingeklebt wurde, liegt auf einem Holztisch
                            Eingeklebte Spiegel, man erkennt am Rand die Reste des Leinölfensterkitt

Die gute Fundlage in England könnte nun bedeuten, dass diese Spiegel ausschließlich für den dortigen Markt hergestellt wurden. Zumindest laut „Dress Accessories“ und einzelnen anderen Funden, dürfte dies aber nicht der Fall gewesen sein. So schreibt „Dress Accessories“, dass die Spiegel unter Umständen ein Massenprodukt waren, welches aus hochwertigen, emaillierten französischen Originalen des späten 13. Jahrhunderts hervorgegangen sein könnten und verweist auf „Swarzenski and Netzer, 1986, Catalogue of Medieval Objects“. 
Zudem gibt es zumindest ein Original aus der Sammlung Boijmans in den Niederlanden und eines im Museum in Turku, Finnland. Über Hinweise zu weiteren Originalen in Publikationen oder Museen würden wir uns sehr freuen. 

Quellen: 
„Dress Accessories“ von Geoff Egan und Frances Pritchard

Montag, 20. April 2020

Rätsel des mittelalterlichen Blau gelöst

"Folium"-Blau erweist sich als ganz neue Art der pflanzlichen Pigmente


Mysteriöses Blau: Das „Folium-Blau“ schmückte unzählige mittelalterliche Manuskripte und wurde in vielen Texten beschrieben – aber woher ihr Blau kam, blieb unbekannt. Erst jetzt haben Forscher die Struktur dieser Farbe enträtselt. Das überraschende Ergebnis: Das Blau dieser Pflanzenfarbe ist weder ein Anthocyan noch mit Indigo verwandt. Stattdessen erzeugt ein komplexes Alkaloid das tiefe, wasserlösliche Blau – eine ganz neue Art von Blaupigment.

Die Farbe Blau galt in vielen frühen Gesellschaften als etwas Besonderes. Weil dieser Farbton in der Natur eher selten vorkommt, sah man ihn als Farbe des Himmels und der höheren Sphären. Während viele Völker das aus Pflanzen gewonnene Indigo sowie Anthocyane als Grundlage ihrer blauen Farben nutzten, entwickelten die Ägypter vor mehr als 5.000 Jahren bereits das erste künstlich hergestellte mineralische Pigment.

Die geheimnisvollste aller Künste

Aber es gibt eine blaue Farbe, die sich bisher allen Analysen entzogen hat. Es handelt sich um eine blaue, wasserlösliche Farbe, die von der Antike bis ins späte Mittelalter häufig zur Illustration von Manuskripten verwendet wurde. In historischen Texten wird zwar beschrieben, dass dieses als Folium oder Tournesol bekannte Pigment aus der Pflanze Chrozophora tinctoria gewonnen wurde. Aber welche chemische Struktur die blaue Pflanzenfarbe hatte, blieb unbekannt. Einer der Gründe dafür: Die Herstellung dieser blauen Farbe geriet nach dem Ende des Mittelalters in Vergessenheit.
Im 19. Jahrhundert beschrieb ein französischer Priester die Produktion des Pigments als eine der geheimnisvollsten Künste: „Diejenigen, die sie herstellen, kennen ihre Anwendung nicht. Die, die von ihr profitieren, wissen nichts über ihre Herstellung und diejenigen, die sie beschrieben haben, erzählten nichts als Lügen. Doch nun haben Forscher um Paula Nabais von der Nova-Universität Lissabon das Geheimnis des Foliums gelüftet. Für ihre Studie folgten sie zunächst den Anweisungen mittelalterlicher Manuskripte und sammelten einige Früchte des noch heute im Süden Portugals wachsenden Wolfsmilch-gewächses Chrozophora tinctoria. In Alkohol gaben die zerkleinerten Früchte einen blauen Farbstoff frei. Diese Lösung analysierten die Wissenschaftler unter anderem mit Gaschromatografie-Massenspektrometrie Das Ergebnis: „Der Extrakt zeigte einen chromatografischen Peak mit einer maximalen Absorption bei rund 540 Nanometer – das entspricht einer blau-violetten Farbe“, berichten Nabais und ihr Team. Nähere Analysen enthüllten, dass dieses spektrale Signal von keiner bisher als Pigment bekannten chemischen Verbindung stammte. „Bei dieser blauen Farbe handelt es sich weder um ein in vielen blauen Blumen und Früchten gefundenes Anthocyan noch um ein Indigo“, erklären Nabais und ihr Team. „Dieses Pigment erweist sich als seine Klasse für sich.

Mit einem alten Pflanzenheilmittel verwandt

Doch was ist es? Die Untersuchungen ergaben, dass der geheimnisvolle Blau-Farbstoff aus zwei
verbundenen Kohlenwasserstoffringen mit angelagertem Zuckermolekül besteht – er ist ein sogenanntes Hermidin. Das Überraschende daran: Hermidine sind in der Pflanzenchemie und Pharmazeutik keine Unbekannten. Denn diese Alkaloide kommen auch im Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) vor, einem in vielen Wäldern Europas wachsenden Heilpflanze. Aber die Hermidine aus dem Bingelkraut ergeben nur bräunliche und gelbliche Lösungen, aber kein haltbares Blau. Was also ist bei dem Chrozophoridin getauften Hermidin anders? Wie die Forscher herausfanden, lagern sich bei diesem Blaupigment zwei Hermidine so zusammen, dass es zu einem Ladungsaustausch kommt. Das stabilisiert die Moleküle in einer Konfiguration, die zur starken Blauabsorption führt.

„Unverzichtbares Wissen“

Damit ist das Jahrhunderte alte Geheimnis der mittelalterlichen Manuskriptfarbe und seines pflanzlichen Rohstoffs nun endlich gelüftet. „Dies ist ein für die Erhaltung unseres europäischen Kulturerbes unverzichtbares Wissen“, konstatieren Nabais und ihre Kollegen. „Aber wir sind sicher, dass dies noch nicht das letzte Wort zu dieser faszinierenden Pflanze und seiner Geschichte ist und dass bald noch weitere Entdeckungen folgen werden.“ (Science Advances, 2020)

Quelle: https://www.scinexx.de/news/technik/raetsel-des-mittelalterlichen-blau-geloest/

Samstag, 4. Januar 2020

Die Geschichte Luxemburgs 

Von der Namensgebung bis zur Schlacht von Worringen.

(c) Marc Burggraff (m i m)
Der Ursprung des Namens Luxemburg geht zurück auf einen Tauschakt der auf das Jahr 963 datiert ist. In diesem trat Siegfried, aus dem Haus der Ardenner Grafen, eine Länderei im Norden des heutigen Luxemburgs an die Abtei St. Maximin in Trier ab. Als Gegenleistung dafür erhielt er die Ruine eines vermeintlich römischen Kastells mit dem Namen Lucilinburhuc. An diesem Ort, dem Bockfels, errichtete er in den folgenden Jahren eine Burg deren Name sich mit der Zeit zum heutigen Luxemburg wandelte. Über die nächsten Jahrzehnte entwickelte sich ein erster Ortskern um die neu errichtete Burg. Hierzu gehörte insbesondere die heutige Michaelskirche die ihren Ursprung als Kapelle der Grafen hatte.
Man sollte hier bemerken dass die Abstammung Siegfrieds umstritten ist. Die ältere Theorie, dass er ein Sohn des Ardennergrafen Wigerichs sei, wird aber Heute weiterhin als wahrscheinlichste angesehen. Es werden aber auch andere mögliche Väter genannt darunter Giselbert Herzog von Lotharingen. Siegfried selbst war Graf im Bidgau, hatte aber weit verzweigte Besitztümer in den Ardennen und der Eifel.
Erst im 11. Jahrhundert titulierte sich ein Nachfahre Siegfrieds Graf von Luxemburg. Hierbei handelte es sich um Konrad I., einem Sohn des Grafen Giselbert von Salm. Konrads Bruder Hermann Graf von Salm wurde 1081 zum Gegenkönig gewählt und in Goslar gekrönt. Diese erste Dynastie der 'Grafen von Luxemburg' erlosch im Jahr 1136 mit dem Tod Konrad II.
Auf Order des römischen Kaisers Lothar III. wurde die Grafschaft an Heinrich den IV. von Namur, genannt der Blinde, einem Vettern Konrad II., übertragen. Heinrich erbte im Lauf seines langen Lebens, ca. 1112 – 1196, gleich vier Grafschaften in den Ardennen. Es handelte es sich hierbei um Luxemburg, Namur, Durbuy und Laroche. Somit wurde Heinrich IV. einer der mächtigsten Herrscher im Bereich des heutigen Luxemburgs und Belgiens. Im fortgeschrittenen Alter verkaufte er seinem Neffen Balduin V. vom Hennegau seine Allodien und erkannte ihn auch als seinen Erben an. Dieser bat den Kaiser Friedrich Barbarossa seine zu erwartenden Erbschaft, ohne Luxemburg, zur Markgrafschaft Namur zu erheben. Jedoch gebar Agnes von Geldern, Heinrich des Blindens zweite Frau, 1186 eine Tochter namens Ermesinde. Somit wurde die Erbfolge der vier Ardennergrafschaften in Frage gestellt und es kam zum Krieg mit Balduin vom Hennegau der alle Territorien Heinrich IV. außer der Grafschaft Luxemburg selbst eroberte. Balduin starb 1195, ein Jahr vor Heinrich, damit blieb die Besitzfrage der vier Grafschaften jedoch weiter ungeklärt.
Die Grafschaften Namur, Laroche und Durbuy gingen an Phillip I., einem Sohn Balduin V., der so zum Markgrafen von Namur wurde. Luxemburg selbst ging an den Bruder des Kaisers Heinrich VI., den Pfalzgrafen Otto I. Von Burgund.
Ermesinde selbst erhielt nur die Herrschaft über Longwy und wurde früh mit dem Grafen Heinrich II. von der Champagne verlobt. Dieser löste dieses Versprechen jedoch schon einige Jahre später um sich dem 3. Kreuzzug anzuschließen. Ermesinde heiratete schlussendlich 1197 Theobald I. Graf von Bar-Mousson. Dieser erreichte dass Ermesinde nach dem Tod Ottos Gräfin von Luxemburg wurde, desweiteren führte er Krieg gegen den Markgrafen von Namur um die weiteren Besitztümer seines Schwiegervaters. Theobald starb schon 1214 ohne männlichen Erben Ermesindes. Diese vermählte sich noch im gleichen Jahr ein zweites Mal mit Walram III./IV., dem zukünftigen Herzog von Limburg. Dieser und seine Söhne, aus beiden Ehen, erfochten in den folgenden Jahren die Grafschaften Laroche und Durbuy und Teile der Grafschaft Namur. Als Walram 1226 starb wurde sein ältester Sohn, aus erster Ehe, Heinrich IV. Herzog von Limburg. Sein zweiter SohnWalram wurde Herr von Monschau und Valkenburg. Ermesinde behielt die Herrschaft über die Grafschaften Luxemburg, Laroche und Durbuy so wie der Markgrafschaft von Arlon. In dieser Rolle wurde sie von ihrem Stiefsohn Walram und später ihrem eigenen Sohn Heinrich V. von Luxemburg unterstützt. Als Ermesinde 1247 starb gingen Luxemburg, Laroche und Arlon an Heinrich V. und Durbuy an dessen Bruder Gerhard.
Somit hatte sich der Machtbereich der Grafen von Luxemburg innerhalb von hundert Jahren stark ausgedehnt. Im Westen grenzte ihr Besitz an die Grafschaft Namur, die jedoch einen Teil ihres Territoriums südlich der Maas verloren hatte, sowie an das Fürstbistum Lüttich. Die Grafschaften Salm und Vianden im Norden Luxemburgs wurden beide gegen Mitte des 13. Jahrhunderts Vasallen des Grafen Heinrich V. dem Blonden. Im Osten wurde die Expansion der Luxemburger Grafen vom Erzbistum Trier begrenzt. Im Süden lagen die Grafschaft Bar, das Bistum Metz und das Herzogtum Lothringen. Mit all diesen Nachbarn führten Ermesinde, ihre Männer, Stiefsöhne und Söhne mit wechselnden Allianzen Krieg, was auch zu mehreren Exkommunikation führte.
Man darf sich diese Luxemburger Grafschaften aber nicht als eine territoriale Einheit vorstellen. Es handelte sich um ein kompliziertes Geflecht von Territorien mit eigenen Gesetzen und Brauchtümern. Zwischen diesen existierten weiterhin kleinere Herrschaften mit wechselnden Lehnsverhältnissen und eigener Jurisdiktion. Erst im Laufe der folgenden Jahrhunderten wurden diese verschiedene Territorien von den Grafen und später Herzogen umgegliedert und langsam zu einer politischen und rechtlichen Einheit.
1281 starb Heinrich V. und wurde als Graf von Luxemburg, Laroche und Durbuy von seinem Sohn Heinrich VI., auch der Löwe genannt, beerbt. Sein zweiter Sohn wurde Herr von Ligny in der Grafschaft Bar. Zuvor hatten beide Söhne zweimal die Regentschaft dieses Territoriums inne. Das erste Mal bei der Gegangenname ihres Vaters im Krieg gegen seinen Vetter dem Grafen Theobald II. von Bar. Das zweite Mal als Heinrich V. am Siebten Kreuzzug teilnahm, den er nach dem Tod Ludwig IX. von Frankreichs auch befehligte.
Nach dem Tod Walram V. von Limburgs im Jahr 1280 kam es zum Erbfolgekrieg um dieses Herzogtum. Heinrich VI., sein Bruder Walram von Ligny sowie ihr Vetter Walram von Valkenburg spielten in diesem Konflikt entscheidende Rollen. Ihnen gegenüber standen Johann I. Herzog von Brabant, die Grafen Adolf V. von Berg und Eberhard I. Von Mark. Durch die beiden letzteren wurde auch Siegfried von Westerburg, Erzbischof von Köln, mit in den Krieg hinein gezogen. Die meisten Herrschaftshäuser der Region schlossen sich der einen oder anderen Seite in diesen Konflikt an. Zusätzlich auch die Stadt Köln und weitere Städte entlang des Rheins. In der Schlacht von Worringen am 5. Juni 1288 fielen Heinrich VI. von Luxemburg mit drei seiner Brüder, Walram von Ligny, Heinrich von Houffalize und Balduin, die letzteren beiden Bastarden von Heinrich V. Mit dem tödlichen Ende dieses Krieges endete auch die Luxemburger Expansion in westliche Richtung.

Montag, 25. November 2019

#mimmonday - Grönke/Weinlich - Mode aus Modeln

Hallo zusammen!

Mein Name ist Eike und ich darf euch heute im Rahmen des #mimmonday ein wenig zu meiner aktuellen Lektüre erzählen.
Dies ist mein erster Blogpost im Rahmen der minuskel :)

Zur Vorgeschichte:
Vor einiger Zeit bekam ich von einem anderen Vereinsmitglied (Huhu Maria!) eine Kruselerpuppe geschenkt. Ein seltsames kleines flaches Püppchen aus Pfeiffenton.
Ich habe mich sehr darüber gefreut! Aber leider teilte mir ein anderes Vereinsmitgleid mit, das diese Art Püppchen für unsere Zeit überhaupt nicht passend seien.
Das warf einige Fragen auf: wie werden diese Puppen eigentlich datiert? Woher kommen sie? Was sind sie eigentlich? Und: wie stellt man sie her?

Bei meiner kleinen Internetsuche stieß ich auf ein Buch, über das ich heute berichten möchte:

"Eveline Grönke/Edgar Weinlich - Mode aus Modeln"
Kruseler- und andere Tonfiguren des 14. bis 16 Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalemuseum und anderen Sammlungen
ISBN: 3-926982-58-6

Dieses Buch beantwortete mir meine oben genannten Fragen, warf einige neue auf und lässt mich mit einer langen Liste für die Fernleihe zurück - in meinen Augen also ein gutes Buch, um sich dem Thema anzunähern.

Das Buch ist grob aufgeteilt in drei Teile:
- ein sehr gut zu lesender Fließtext mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Es wird auf den Stand der Forschung eingegangen (ACHTUNG: das Buch stasmmt aus 1998!), auf die Moglichkeiten der Herstellung aber auch auf die Mode des Kruselers. Ebenso wird hier die Datierung der Püppchen erklärt. Auch eine Typisierung erfolgt.

- Katalogteil
Hier werden zunächst die Tonfigürchen und tönernen Gegestände des Germanischen Nationalmuseums sortiert nach Typ aufgeführt. Unter anderem beinhaltet dieser Katalogteil die Inventarnummer, aber auch den Fundort, Größenangaben und den Erhaltungszustand.
Nach Nürnberg erfolgt ein anderer Katalog mit Figuren in anderen Sammlungen, ebenfalls sortiert nach Typ. Den Abschluss dieses Teils stellen Verbreitungskarten der Fundorte dar.

- Abbildungen
Den letzten - und vielleicht spannendesten Teil - stellen die Abbildungen dar.
Hier sind ganze Püppchen, aber auch Fragmente und andere Tonfiguren des Germanischen Museums abgebildet. Daran schließen sich Abbildungen aus anderen Sammlungen an.
Die letzte Doppelseite zeigt eine sehr kleine Auswahl des Germanischen Nationalmuseums in Farbe.


Meine oben genannten Fragen konnte ich alle zu meiner aktuellen Zufriedenheit beantworten:
"Wie werden diese Puppen eigentlich datiert?" Anhand ihres Kruselers.
Klingt einfach, ist es auch. Man kann wirklich anhand der Kruselerform der einzelnen Puppe eine Datierung vornehmen. Denn die dargestellte Form folgt der Mode. So haben die Püppchen auch Knöpfe im Brust- und Armbereich, teilweise weite Mäntel an usw.
Hat man eine einfache Kruselerform ist die Puppe einer Zeit zuzuordnen, die eine solche Form als Mode hatte.

"Woher kommen sie?"
Worms, Mainz, Köln, Neuss, Nürnberg... Kleine Tonfiguren dürften - neben Wallfahrtsorten (Votivgabe) - in jeder größeren Stadt hergestellt worden sein. Laut Autoren sprechen die unzähligen Bestände der einzelen Museen dafür.

"Was sind sie eigentlich?"
Nun, meine Interpretation des Inhaltes: es lässt sich eigentlich nicht wirklich sagen.
Es besteht die Möglichkeit das sie einfach Spielzeug waren - quasie das weibliche Gegenstück zum tönernen Ritter zu Pferd - aber auch Andenken an Pilgerfahrten, Votivgaben...
Es hängt im Endeffekt vom Besitzer ab, wie sie genutzt wurden (und kannte der mittelalterliche Mensch überhaupt eine Trennung dieser Dinge?). Wir wissen es nicht eindeutig.
Bei einem Typ wird ein religiöser Hintergrund vermutet, aber auch nur weil die Darstellung an andere Werke erinnert. Diese Figuren haben eine Art "Teller" auf ihrer Brust. Es scheint einige Bilder mit religiösem Hintergrund zu haben bei dem zB Engel auf der Brust einen Kreis haben in dem ein Lamm als Zeichen Christi abgebildet ist oder Maria mit einem solchen Kreis auf der Brust abgebildet wird in dem das Jesukind gezeigt wird.


"Und: wie stellt man sie her?"
Am Anfang wurden sie wohl mit der Hand geformt. Dann erfolgte die Herstellung durch Modeln - Formen. Diese konnten aus Holz geschnitzt sein aber auch aus Ton gebrannt.
Teilweise gab es Formen für Vorder- und Rückseite, welche nach dem Ausformen zusammengefügt wurden und dann gebrannt. Teilweise wurde aber auch der Rücken händisch verziert und zB der untere Rand vom Risenkruseler eingeritzt.
Aber: durch diese Art der Herstellung ergab sich im Laufe der Zeit der Name eines Berufes: "Bilderbäcker".


Ihr seht:
Das Buch hat mir einige Antworten beschert!
Auch hat es einige Andeutungen geliefert, denen ich bei Gelegenheit nachgehen werde.
So soll der Kruseler das erste Mal 1342 auf einem schlesischem Fürstinnensiegel abgebildet worden sein (Quelle laut Autoren: Roehl: Die Tracht der schlesischen Fürstinnen im 13. und 14. Jahrhundert aufgrund ihrer Siegel. Breslau 1895, S.6 Nr.11a, Abb.9). Neben der Speyrer Kleiderordnung (1350) und einiger anderer Kleiderordnungen wird noch eine andere Textquelle benannt in der von der Farbe der Kruselerrüschen die Rede ist. Eine gewisse "Katharine Schmiecher" hat einen zwöflfachen seidenen Schleier mit gelben Enden zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen! Ein - zumindest teilweiser - bunter Kruseler! (Quelle nach Autoren: Heimpel: Seide; S. 295-296) Sehr spannend!

Neben der Frage nach der Farbigkeit der Kruselerrüschen habe ich auch das erste Mal bewusst wahrgenommen welche unterschiedlichen Formen der Rüschen möglich sind. Bisher nahm ich an, das es einfach eine Frage des Künstlers ist, aber inzwischen halte ich es durchaus für möglich das es unterschiedliche Herstellungsmöglichkeiten gab. Icb bin gespannt was ich bei der weiten Recherche lernen werde!

Und mein Püppchen?
Nun, der Vereinskollege hatte nur teilweise recht.
Mein Püppchen ist leider nicht für unsere Darstellungszeit geeignet.
Es entspricht dem Typ 3: es hat einen sogenannten "Risenkruseler". Also neben dem Kruseler der das Gesicht einrahmt auch eine Rise welche am unteren Saum Rüschen hat. Diese Mode kam erst nach unserer Zeit auf.
Aber er hatte nur teilweise Recht: die einfachen, ersten Püppchen, welche teilweise noch ohne Modeln geformt waren, können erst mit einem Kruseler versehen worden sein nachdem dieser aufkam. Also besteht durchaus die Möglichkeit das es zu unserer Zeit schon Püppchen gab!
Ich freu mich!


Liebe Grüße
Eure Eike