Donnerstag, 25. April 2013

Verlinkung eines Posts
An dieser Stelle verlinke ich mal einen interessanten Post der Kollegen von HistoFakt zum Thema "Das Mittelalter im deutschen Fernsehen" : http://blog.histofakt.de/?p=168
Sehr spannend und ich denke diskussionswürdig.

Freitag, 12. April 2013

Architektur im Mittelalter - Teil 1

 

Der Herrenhof in Mühlheim am Main

In der heutigen Altstadt in Mühlheim am Main stehen unter andern zwei sorgfältig restaurierte Fachwerkhäuser, die zum Ensemble des "Herrenhofes" oder auch "Abtshofes" gehören. Diese stammen aus dem 15. Jahrhundert und wurden im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut und erweitert - trotzdem blieb die unrspüngliche Bausubstanz bis heute erhalten.

Der Abtshof in Mühlheim war ein sogenannter Fronhof. Ein Großteil der Landbevölkerung hatte Frondienst zu leisten, und Abgaben zu entrichten, daher entstanden vielerorts Fronhöfe. 

Im Mittelalter gehörte das Gebiet rund um die Gemarktung Mühlheim am Main zum Landbesitz der Mainzer Erzbischöfe. Die Verwaltung der Güter oblag dem Kloster Seligenstadt am Main. Daher wurde der Mühlheimer Fronhof zu auch "Abtshof" genannt. 

Im 13. Jahrhundert lag der Abtshof noch ausserhalb der heute bekannten Altstadt. Im 15. Jahrhundert wurde er wohl aus Sicherheitsgründen in die damaligen Stadtgrenzen und Stadtmauer verlegt und das alte Gebäude aufgegeben.

Die Schultheisen des Abtshofes waren aber immer Weltliche, unterstanden aber dem amtierenden Abt des Klosters in Seligenstadt. Die Landesherren änderten sich über die Jahrhunderte nicht, so blieb der Abtshof weitesgehend in seiner Form bewahrt. Erst 1803 im Zuge der Säkularisation änderte sich das Leben in Mühlheim drastisch. Die Kirche wurde enteignet, das heißt der Mainzer Erzbischof und auch die Mönche in Seligenstadt standen ohne Besitztümer da und mussten sich die wichtigsten Orte zurückkaufen. Somit fiel Mühlheim an das Land Hessen.

Der Abtshof, ein nach wie vor sehr schönes Fachwerkgebäude, ist bis heute erhalten, auch wenn nicht mehr in der ursprünglichen Version.


Der Abtshof heute - Aufnahme 2012


Donnerstag, 28. März 2013

Frohes Osterfest

Die Redaktion der Minuskel wünsch allen unseren Abonnenten und Lesern ein tolles Osterfest und wünscht euch allen eine gute Zeit. Auf das wir alsbald wieder ein Hallelujah erklingen lassen dürfen.

Samstag, 23. März 2013

Ein mittelalterlicher Hallenmarkt

Ein Besuch auf einem mittelalterlichen Hallenmarkt

Oder: Ein Selbstversuch

 

Vor 2, oder sogar 3, Jahren besuchten meine Frau und ich unseren letzten Mittelaltermarkt. Zeit es mal wieder  zu versuchen und so wählten wir ganz zu Beginn der Saison den mittelalterlichen Hallenmarkt in Trier. Diesen besuchten wir gestern gemeinsam mit unserem Freund Hans.

Ausgewählt hatten wir den Markt
a) weil er nah ist
b) weils in der Halle warm ist (bei Temperaturen zwischen 0 und 3 Grad Celsius Ende März durchaus ein Pluspunkt)
c) und weil er vor 2 oder 3 Jahren trotz der modernen Halle äußerst ambientig war. Wir verbrachten damals einige Stunden und hatten Spaß.

Und so freuten wir uns auf die ein oder andere unterhaltende Stunde.

Aber fangen wir von vorne an:

Wir kamen kurz vor 1 Uhr an. Der Parkplatz mäßig gefüllt, aber gut, es war ja erst gegen Mittag. Über den stolzen Preis von 7 € pro Erwachsenem hatten wir uns schon im Internet vorab informiert und trotz der Ermäßigung von 2 € für "Gewandete" dagegen entschieden die teuren Klamotten auszuführen, zumal Sarahs einfache Schuhe in der Reparatur sind. Wir gingen davon aus, dass die 7 € zwar ein stolzer Preis sind, wir aber einiges geboten bekämen, wie beim letzten Besuch vor 2 oder 3 Jahren.

Draussen vor der Halle standen ein paar wenige Stände und ein kleines Lager. Mein Gedanke ging auch in dieser stürmischen und kalten Nacht(ja, wirklich stürmisch hier und Schnee) an diejenigen, die draussen in den Zelten schliefen. Ich hoffe alle haben die Nacht gut überstanden.
Klarer Lichtblick draussen war ein Stand mit sehr schönen Eichentruhen für Wikingerdarsteller. Schlichte Truhen, nicht aus Leimholz, sondern schön aus der Bohle raus, teilweise mit zwar nicht ganz historisch korrekten, aber wunderschönen Schnitzereien. Heute denke ich: Auch wenn ich mir sowas selber bauen kann, schade, dass ich die Visitenkarte nicht mitgenommen habe.
Ausserdem zweiter Lichtblick laut Hans: Der Wurststand draussen, der verschiedene Salami verkaufte.

Kommen wir zum Innenraum der Halle:
Kurz zusammen gefasst: Nicht ambientig, weniger Stände(gefühlt zumindest), geringere Qualität.

Bis auf einzelne Lichtblicke mit durchaus anständiger bis guter Ware waren mitunter sogar moderne Schmuckstände und ähnliches vertreten. Darstellendes Handwerk fehlte fast ganz.
Die Halle war nur leicht abgedunkelt, was aber sicherlich an irgendwelchen Vorschriften liegt, ein einzelner Stelzenläufer zog seine Bahnen und eine junge Frau spielte Harfe, dies sogar gut, soweit wir es im gehen feststellen konnten. Zudem eine kurze Tanzeinlage zweier Bauchtänzerinnen. Offenbar mittlerweile von keinem Mittelaltermarkt mehr wegzudenken.

Lichtblicke in der Halle:
-Ein Stand mit schönen Wollstoffen, einer mit allerlei Kleinkram und Notwendigkeiten, ein Glasstand und ein Stand mit sehr schönen Flöten. An anderen Ständen fanden sich manchmal unter die normale Ware gemischt auch ein paar schöne Stücke, aber meist Massenware. Ansonsten, klar, Felle, schöne, aber moderne Keramik, dies das und jenes, was man eben auf einem Mittelaltermarkt so findet.
Immerhin, ein Stand hat mir bewiesen: Wenn man DEN Preis auf einem Mittelaltermarkt bekommt, muss ich dort auch mal verkaufen. 50 € für einen Holzbecher fand ich ne Menge Holz, ehm.. Geld.

-Klarer Lichtblick in der Halle: Der Stelzenläufer machte einen guten Job und unterhielt die Leute. Schön fand ich den Moment, als er einem Rollstuhlfahrer eine "Wunschwurmel" schenkte, die EINEN Wunsch erfüllt. Er wisse zwar nicht wann und welchen, aber EINEN ganz bestimmt. Und wenn nicht wäre sein Fahrer schuld daran. Der Rollstuhlfahrer und seine Begleitungen lachten herzlich und sowas tut doch gut. Eben ein netter Moment.

Alles in allem waren wir nach nicht mal einer Stunde wieder draussen, nach einem kurzen Besuch beim Dattelschlepper(OK, IMMER ein Lichtblick) waren wir für weniger als eine Stunde Zeitvertreib um 14 €, zuzüglich dem was wir beim Dattelschlepper ließen, ärmer und um einige Erfahrungen reicher. Vielleicht schauen wir uns ja irgendwann mal wieder einen Mittelaltermarkt an. In 2 bis 3 Jahren.

Das aufwärmen im Irish Pub dauerte länger und rettete den eher durchwachsenen Eindruck. Ich hoffe, dass noch etwas Ambiente mit mehr Besuchern reinkam, wobei nicht die Masse an Besuchern das Ambiente macht.


Montag, 11. Februar 2013

Neue Medien für die Realienforschung

Digitalisate und ihre Zugänglichkeit


Quellenforschung ist nicht jedermans Sache. Dabei ist es mittlerweile sehr einfach geworden Bildquellen zu sichten. Die Zeiten, in denen man nur auf wenige gedruckte Faksimiles von Originalhandschriften zugreifen konnte, stundenlang in Archiven sitzen musste um einen kleinen Hinweis auf eine Abbildung zu erhalten oder versucht hat mit dem wenigen, was man leicht zugänglich finden konnte ein klares Bild zu erzeugen, sind vorbei.

Heute bildet das Internet eine leicht zugängliche Fülle an Digitalisaten* von Originalhandschriften, seien es Bild- oder Schriftquellen, die keine Wünsche offen lässt.

Eine dieser Möglichkeiten ist www.ebooktreasures.org

In diesem Projekt werden Digitalisate von bisher nicht veröffentlichten, schwer zugänglichen oder besonderen Werken und Klassikern als EBook erstellt und angeboten. Sogar erste Bücher aus privaten Sammlungen werden hier der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Preislich liegt ein Buch bei ungefähr 4 €. Kommen wir hier zu den Pro und Contra Argumenten:

Contra:
-Die Bücher sind nur über den ITunes Store oder den Windows Store erhältlich
-Auf einem IMac kann man die Bücher NICHT lesen. Nur auf einem IPad o.ä. können diese mittels IBooks geöffnet werden (Über den Windows Store erfolgte noch kein Test)
-Es lässt sich kein Bildausschnitt herauskopieren (Tipp: Eine Digitalkamera ist zwar umständlich, hilft aber)

Pro:
-Ist man im Besitz eines Tablets mit ITunes Store oder Windows Store kann man immer und überall neue Bücher erwerben und leicht mitnehmen
-Der günstige Kaufpreis
-Hohe Auflösung der Digitalisate
-Regelmäßige Erweiterung des Angebots

Generell bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt nicht so schnell eingestellt wird. Ich persönlich finde es sehr interessant und hoffe auf viele weitere Digitalisate. Bisher sind leider nur 28 online, darunter aber schon diese vier sehr interessanten "Titel":

"The Bedford Hours"
"The Luttrell Psalter"
"Henry VIII's Psalter"
"The Holkham Bible"

*Digitalisat: Ein Buch oder eine einzelne Seite mit Text und/oder Bild wird digitalisiert und, meist als PDF, gesichert.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Die Fastnacht im Mittelalter

Fastnacht

Nach den geläufigen Quellen wird die Fastnacht bereits seit dem 12. Jhdt in Europa begangen, bzw. gefeiert.
In der Regel am Epiphanias-Tag, bzw. heute Hl. Drei Könige Tag, dem 06. Januar feierten die Menschen sogenannte Feste der Narren. Diese wurden in den Kirchen, aber nicht als offizielle kirchliche Feste gefeiert.

Einen Eindruck davon erhält man noch aus dem Roman „Der Glöckner von Notre Dame“ von Victor Hugo, bei dem die Abläufe rund um das Parodieren von kirchlichen Riten und Ritualen sehr detailliert beschrieben werden.

Das Aufkommen eines „falschen Papstes“ oder eines „Königs der Narren“ verdeutlichte aus Sicht der Kirche die Vergänglichkeit des Menschen und der Fastnacht, da der Narr als Sinnbild der Vergänglichkeit stilisiert wurde.

Hintergrund der Fastnacht

Der Hintergrund der Fastnacht wird den Lehren des großen Kirchenlehrers Augustinus zugeschrieben, der in seinem Werk „de civitate dei“  ausführt, sie stehe für den Staat des Teufels, die civitas diaboli.
Die „Endlichkeit“ dieser diabolischen Feier führte die Kirche ins Felde und proklamierte das sowohl der Teufelsstaat mit seinen Riten(Fastnacht) als auch der Mensch an sich nur kurzfristig aufträten, somit vergänglich seien und Ende der Staat Gottes schlussendlich siegreich verbleibe.
Am Aschermittwoch endet die die Fastnacht, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt.

Eine der Quellen, die Chronik der Stadt Speyer aus dem Jahr 1612 berichtet ebenfalls von schon von einer eher ausufernden Fastnacht aus dem beginnenden 14. Jhdt: „Im Jahr 1296 hat man Unwesen der Fastnacht etwas zeitig angefangen / darinn etliche Burger in einer Schlegerey mit der Clerisey Gesind (kirchliche Angestellte des Bischofs und des Domkapitel) das ärgst davon getragen / hernach die Sach beschwerlich dem Rhat angebracht / und umb der Frevler Bestrafung gebetten.
Die Klage des Klerus vor dem Rat wurde übrigens nicht weiter verfolgt.

In der heutigen Fastnachts-/Karnevalshochburg Köln versuchte der Rat immer wieder die Feierlichkeiten verbieten zu lassen. Die gewalttätigen Auseinandersetzung und die Sachbeschädigungen der Vermummten (Mummenschanz), setzten der Stadt und dem Klerus über viele Jahrhunderte schwer zu.

Nachweise über die Fastnacht, Narrenfeste, Karneval des falschen Königs lassen sich in Europa in vielen Städten wiederfinden. In Nürnberg und sogar im damals schwedischen, heute finnischen Turku (Abo) gibt es zahlreiche Abbildungen und Traditionen aus dem Mittelalter die uns Aufschluss über die ausgelassene Stimmung und die Rituale vermitteln.

Quellen:
Wikipedia
Turku: Webster's Timeline History, 1229 - 2007
Chronik der Stadt Speyer

Mittwoch, 9. Januar 2013

Neues im Bücherregal

Kurzrezension

Die Ausgrabungen im Mühlberg-Ensemble Kempten (Allgäu) - Metall. Holz und Textil

Was ein sperriger Titel. Aber das kennt man ja bereits aufgrund vieler Publikationen, die entweder schon den Einzug ins Bücherregal gefunden haben, mal per Fernleihe "gesichtet" wurden oder die man einfach nur bei Freunden durchgeblättert hat.

Natürlich konnte ich nicht lange die Finger von diesem Buch lassen. Holz UND Textilien, genau meine beiden Lieblingsthemen.

Das Buch behandelt einen Fundkomplex aus dem Allgäu, der zu einer Gattung von organischen Funden gehört, die bisher vergleichsweise wenig Beachtung gefunden haben, mitunter da die Datierung schwierig ist, zum anderen aber auch aufgrund einer hohen Dunkelziffer an privaten Funden bei Hausrenovierungen. Zu dieser Fundgattung gehören auch die aktuellen Textilienfunde von Schloss Lengberg (und weitere organische Materialien wie Spielkarten, die man dort gefunden hat).

Dementsprechend ist die Datierung oftmals sehr weit gefasst. Ab und an könnten einzelne Teile laut dem Buch bereits ins Ende des 13., bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts datiert werden, vieles dann wieder ab dem letzten Viertel 15. Jahrhundert und jünger.

Umso interessanter sind die einzelnen Funde. Wunderschöne Messer, ein Spiegel, eine ganze Reihe an Spindelstäben, frühneuzeitliche Knöpfe, Kämme, Stoffe, Teile von Kleidung, sonstige Textilien aller Art.... Für Vergleichsfunde also eine wahre Fundgrube, aber auch um einfach mal nur zu stöbern und hier und da mal etwas für andere Jahrhunderte nachzubauen, nur weils so schön ist.

Zugegeben, auch dieses Buch gehört mal wieder nicht zu den den absoluten "Must haves" für den Hobbyisten, wer sich aber tiefer mit der Materie Holz und/oder Textil befasst wird an diesem Buch seine wahre Freude haben. Zum Metall Teil kann ich nicht viel sagen, ausser einem: Nette Kleinigkeiten drin ;)

Das Buch gibt es bei Amazon schon nicht mehr (obwohl es erst 2011 erschienen ist), der Verlag scheint aber noch einen Bestand zu haben:
http://www.habelt.de/index.php?id=22&tx_shpsystem_pi1[source]=R&tx_shpsystem_pi1[sernr]=7552

Alternativ hilft euch sicherlich die Buchhandlung eures Vertrauens. Jedenfalls hat meine Frau es mir dort besorgt :)